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Berichte

Laufend ins neue Lebensglück

Erneut hat die AOK-Heldenstaffel großen Anklang gefunden. Beim Lauf ohne Grenzen in Frankfurt (Oder) und dem polnischen Slubice wurde mit und für LöwenKinder gelaufen - eine Initiative, die beim Kampf junger Menschen gegen schwere Krankheiten hilft.

 

Wenn Wibke läuft, fühlt sie sich frei und glücklich „und hinterher unglaublich leicht, fast schwerelos“, sagt sie. Auch wenn es am vergangenen Freitag beim Lauf ohne Grenzen von Slubice nach Frankfurt (Oder) und zurück nur die letzten 600 Meter des Drittelmarathons waren, empfand sie Glück und Dankbarkeit. Die 19-Jährige lief in der AOK-Heldenstaffel, die bereits zum vierten Mal in diesem Jahr in eine Brandenburger oder Berliner Laufveranstaltung integriert wurde.

 

Laufen als hilfreiches Ventil

Beim Lauf ohne Grenzen wurde durch die Heldenstaffeln auf die LöwenKinder aufmerksam gemacht, ein Frankfurter Kompetenznetzwerk für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die an schweren oder lebensverkürzenden Erkrankungen leiden. Wibke hat den Verein im vergangenen Jahr kennengelernt, „deshalb wollte ich unbedingt mitlaufen“, sagt sie. Die Geschichten der LöwenKinder hätten sie sehr berührt, sodass es ihr ein besonderes Anliegen war, mit betroffenen Jugendlichen oder deren Angehörigen in einer Staffel zu laufen. Doch ist die junge Frau selbst dabei, sich ins Leben zurückzukämpfen und schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten. In kurzer Zeit verlor sie zwei Familienangehörige auf tragische Weise, sie litt körperlich und psychisch, Leistungsdruck und schlechtes Gerede setzten ihr zu. „Laufen wirkt bei mir wie ein Ventil, durch das ich immer wieder alles Negative aus meinem Leben schaffen konnte“, sagt sie.

Laurin Wendland weiß genau, was sie meint. Sport hat bei seinem Weg zurück ins Leben „eine sehr große Rolle gespielt“, sagt der 16-Jährige. Als er 13 war, erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs. „Zunächst dachte ich, es sei eine Erkältung, als mein Hals dick wurde“, erzählt er. Eine Biopsie führte zur Krebsdiagnose. „Ich konnte damit gar nicht so viel anfangen“, sagt er, „meine erste Frage war, wann ich wieder Sport machen kann“, so der leidenschaftliche Basketballspieler. „Ich glaube, meine Eltern hat es mehr belastet als mich, weil sie wussten, was auf mich und sie zukommt“, sagt Laurin. Tatsächlich sagt sein Vater, Lars Wendland: „Ich war wie vor den Kopf geschlagen, hätte nie gedacht, dass es Krebs sein könnte.“ Laurins älterer Bruder Florian wollte es nicht wahrhaben. „Warum er und nicht ich?“, habe er sich gefragt.

60 Familien bei LöwenKindern

Sechs Monate Chemotherapie durchlitt Laurin, anderthalb Jahre lang musste er Tabletten nehmen. Dreimal in der Woche fuhr sein Bruder von Frankfurt nach Berlin, um Laurin im Krankenhaus zu besuchen. „Viel geredet haben wir da nicht. Aber auf dem Flur stand ein Tischkicker, da haben wir immer gespielt und Spaß gehabt. Das genügte, um uns auch ohne Worte zu verstehen“, erinnert sich Florian. Es sei auch für ihn eine schwierige Zeit gewesen. „Ich begann, mehr Sport als zuvor zu treiben, machte beim Basketball Extra-Trainingseinheiten, um Wut abzulassen“, erzählt er. Für Lars Wendland verband sich das Schicksal seines Sohnes mit einem anderen. Im Mai 2014 musste das von einer Stiftung geführte Kinderhospiz in Frankfurt (Oder) aufgeben. „Ich dachte, dass es doch irgendwie weitergehen muss“, sagt der 44-Jährige. Er bekam Unterstützung von der freien Wohlfahrtshilfe, fand Sponsoren und Förderer und gründete im März 2015 den Verein LöwenKinder. Inzwischen bekommen dort 60 Familien neben Trost und Rat auch praktische Hilfen und Betreuung der kranken Kinder.

So wie Melanie (26) und David Drunk (29). Deren jüngere Schwester ist ein LöwenKind. Sie leidet an Tumoren im Gehirn, von Geburt an. „Wir sind als Geschwister mit der Krankheit aufgewachsen und haben daher keine Berührungsängste“, sagt Melanie Drunk. Auch ihr helfe das Laufen, sich von Sorgen freizumachen und Ausgleich zu finden. Ihr Bruder David sei weniger laufbegeistert, doch mit der Heldenstaffel unterwegs zu sein, war ihm wichtig. „Unsere Schwester ist oft bei den LöwenKindern und hat dort viel Spaß“, meint er. „Daher ist es schön, wenn wir als Geschwister mit der Heldenstaffel etwas zurückgeben können.“ 

 


Die Helden vom Müggelturm

Von einem „Lauf in den Frühling“ konnte wohl eher weniger die Rede sein, als es am vergangenen Sonntag rund um den Müggelturm ging. Durch das Strandbad „Wendenschloss“ in Köpenick wehte bei minus sechs Grad ein eisiger Ostwind.

 

An warmen Sommertagen sicherlich ein idyllischer Ort zum Entspannen, wofür zumindest die auf den Müggelsee scheinende Sonne warb.
Zum Entspannen waren die rund 750 Läufer am Sonntagmorgen ohnehin nicht gekommen. Besonders die 23 Teilnehmer des AOK-Heldenteams waren aufgeregt. Die Helden sind Menschen mit Behinderung, welche die AOK Nordost bei verschiedenen Läufen in Berlin und Brandenburg an den Start bringen will, um sie die Freude und Begeisterung am Sport spüren zu lassen. Und das funktioniert: Viele der Heldenläufer waren bereits im vergangenen Jahr beim Müggelturmlauf dabei und fieberten schon seit Wochen ihrer Wiederkehr entgegen.

 

Laufen mit Handicap

Fünf Kilometer hatten sich die Helden-Läufer vorgenommen –die meisten kommen aus den Lichtenberger Behindertenwerkstätten. Als sie sich an der Startlinie versammelten, zeigte sich, dass nicht nur die Teilnehmer des Heldenteams mit einem Handicap liefen, sondern auch Läufer der Berliner Feuerwehr. Die Firefighters Berlin liefen in voller Brandbekämpfungsmontur mit 50 Kilogramm schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken die fünf Kilometer –für einen guten Zweck: Für den Verein „Löwenkinder“ in Frankfurt (Oder), für den es im Sommer auch eine AOK-Heldenstaffel geben wird.

 behinderte

„Eye of the Tiger“ klang es durch die Lautsprecher, als der Startschuss fiel und AOK-Heldenläufer Alex lossprintete, sodas auf den ersten 100 Metern der 5000-Meter-Weltrekord in Gefahr geriet. Weiter hinten im Läuferfeld war die Freude am Laufen dem 44 Jahre alten Thomas Heger ins Gesicht gemalt. Der Berliner hat das Down Syndrom, war schon im vergangenen Jahr beim Müggelturmlauf dabei. Da er beim Laufen einen Begleiter braucht, hatte er den diesjährige Gewinner der Luckenwalder Crosslauf-Serie, Dennis Heberer vom Potsdamer Kimbia Sports e.V., an seiner Seite. Nicht schnell, aber fürsorglich war daher für den 21-Jährigen das Motto am Sonntag. Gemeinsam mit Micheal Klotzbier, Gesundheitsbotschafter für die AOK-Heldenstaffel, liefen Thomas Heger und Dennis Heberer über die Ziellinie.
Auch wenn so mancher der Heldenläufer nach rasantem Start zwischendurch eine Gehpause einlegen musste, ins Ziel geschafft haben es alle. Und dass beim Laufen alle gleich sind – ob mit Handicap oder ohne – zeigten die Gespräche im Zielbereich: Da lieferten sich alle Läufer eine detaillierte Berichterstattung und ihre Eindrücke:Wer wo wie auf der verwurzelten Strecke gestolpert war, wer wen wann überholt hatte, dass der eisige Wind im Wald zum Glück kaum zu spüren war. 

Stolz erzählte Heldenläufer Alex seiner Betreuerin Ricarda Koch, wie er beim Start ganz vorne mitgelaufen ist –bis er abgelenkt wurde: Eben noch leidenschaftlich bei seinen Schilderungen, stellte er plötzlich fest, dass die Veranstalter warme Kartoffelsuppe ausschenkten und hechtete unverzüglich los. Als er mit seiner dampfenden Suppenschale zurückkam, scherzte Michael Klotzbier, Alex sei nur deswegen so schnell gelaufen, damit er nicht für die Suppe anstehen müsse. Als sich jedoch innerhalb kurzer Zeit eine 50 Meter lange Schlange vor der großen Suppenterrine bildete, zeigte sich Michael Klotzbier besorgt: „Meint ihr, es gibt dann später noch genug“, fragte er in die Runde.

 

Mitmachen in der Heldenstaffel
Der 38-jährige Klotzbier brachte im Sommer 2014 noch stattliche 160 Kilo auf die Waage. Inzwischen ist der Berliner leidenschaftlicher Läufer, Marathon-Finisher und Unterstützer der AOK-Heldenstaffel. Diese werden das nächste Mal am 6. Mai beim S25 –den 25 Kilometern von Berlin an den Start gehen. 5 x 5 Kilometer werden in der Staffel gelaufen. Wer einen der schönsten Berliner Läufe live erleben will, sich bislang aufgrund eines Handicaps, mangelnder Fitness, zu hohen Gewichts gescheut hat mitzulaufen, kann sich um einen Platz in der AOK-Heldenstaffel bewerben –per Mail an:

 

Und die Schnellsten waren:
Mustafa El Quartassy vom 1. VfL Fortuna Marzahn gewann wie im Vorjahr das 10-Kilometer-Rennen. Mit einer Zeit von 32:00 Minuten stellte der gebürtige Marokkaner einen neuen Streckenrekord auf. Als erste Frau kam zehn Minuten Später Anja Schwerin ins Ziel (42:43).
Ersterüber die fünf Kilometer wurde Albert Mollen in flotten 15:49 Minuten. Er startet  für den schwedischen Verein Sävedalens AIK. Unter den Frauen schaffte es Christina Dräger (20:25) vom TuS Neukölln auf den ersten Platz. Den Halbmarathon gewann nach 1:20:21 Stunden Norman Repkow von den Berliner Wasserratten das Ziel. Erste Frau wurde Christiane Neidiger (1:36:50) von den Laufpartnern. Ältester Teilnehmer war mit 85 Jahren Erhard Bader, der die fünf Kilometer in 37:15 Minuten lief.

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